Mein Lieblingsort in Thüringen

Mein Lieblingsort in Thüringen

Eine Bachstelze taucht nach Futter. Stockenten watscheln durchs Gras. Schwalben fliegen über die Gera.
Die Bäume stehen in voller Blüte. Mitten in Erfurt, der Großstadt, die vor allem durch ihre außergewöhnliche
Altstadt bezaubert.

Auf einer Picknickdecke sitzt Julia Großner. Schaut dem Treiben zu. Den Spaziergängern,
den Lesenden, den Plaudernden, den Gassigängern. Mit Blick auf die Krämerbrücke, die längste durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas. Hier in Erfurt wuchs Julia auf, ging zur Schule und entdeckte ihre Leidenschaft fürs Volleyballspielen. Später wechselte sie erst nach Berlin und dann nach Hamburg.
Denn die beiden Städte sind die idealen Standorte für Beachvolleyball. Die Sportart, in der sie im August 2017 in Jūrmala (Lettland) zur Europameisterin gekürt wurde.

Die 29-Jährige traf gerade eine weitreichende Entscheidung: Weitere Titel wird sie nicht anstreben. Umstrukturierungen beim Deutschen Olympischen Sportbund und der Austausch ihrer Spielpartnerin waren der Auslöser. „Die Europameisterschaft war für  mich unglaublich emotional. Nadja und ich wollten nur für uns spielen, zeigen, was wir können. Aber der  enorme physische und psychische Druck konnte durch nichts mehr aufgewogen werden, das mir irgendetwas zurückgibt“, sucht sie diplomatisch nach Worten. Und ergänzt: „Ich liebe meinen Sport über alles. Es gibt für mich nur ganz oder gar nicht. So langsam genieße ich es, keine Turniere und mehr Freizeit zu haben. Ich finde Zeit für meine Familie, meine Fernbeziehung und für meinen Studienabschluss.“

Großner studiert Lehramt für Mathematik und Sport in Berlin. Möchte am Gymnasium unterrichten. Der Abschluss ist in erreichbarer
Nähe. Derzeit schreibt sie an der Masterarbeit.

Und doch merkt man, dass sie noch Zeit und Abstand braucht. Der Leistungssport fordert viele Entbehrungen, Einladungen zu Hochzeiten und Geburtstagen musste sie ausschlagen. „Es ist Sommer. Den würde ich nun
gerne genießen, herunterkommen, in den Urlaub fahren, mir vielleicht sogar ein halbes Jahr Auszeit gönnen“, so Großner. Sie träumt von Kanada, Australien und Afrika und ist gleichzeitig froh, endlich einmal eine Woche bei ihren Eltern sein zu können. „Erfurt ist mein Ruhepol, hier bin ich zu Hause. Die Menschen sind bodenständig, authentisch und sagen ,frei Schnauze‘, was sie denken.“ Reife Worte für eine 29-Jährige, die viel reiste und erlebte. Deren Zimmer eine Weltkarte mit allen Wettkampforten ziert. Stecknadeln, die sie an die Bermudas, Rio de Janeiro, Phuket, Seoul oder an Kapstadt erinnern. An eine Zeit, die prägte.

„Täglich lebte ich mein Hobby, kämpfte mit meinen Spielpartnerinnen Victoria Bieneck und Nadja Glenzke für den sportlichen Erfolg. Wir reiften an unserem ehrlichen und kritischen Austausch, hielten viel Druck
aus, lösten Meinungsverschiedenheiten. Das prägt und fördert die Toleranz.“ Aber auch die Sportart selber prägt: „Im Beachvolleyball wird man nicht ausgewechselt und hat die Verantwortung für ein gutes, aber auch für ein schlechtes Spiel in den eigenen Händen“, erläutert Großner. Sie kann sich gut vorstellen, in anderen Teamsportarbeiten weiter zu trainieren – Fußball, Tischtennis, Basketball. „Damit ich mir was gönnen kann. Denn ich genieße, koche und esse zu gerne, immer wieder gerne auch Thüringer Bratwurst“, sagt sie.
Julia Großner schlendert nach Hause über die Krämerbrücke und verrät abschließend noch einen echten Geheimtipp. „Hier, bei Goldhelm gibt es das leckerste Eis!“