Hoffnung und Heilungschancen - Heilen mit Ultraschall: Im DRK Krankenhaus Sömmerda

Hoffnung und Heilungschancen - Heilen mit Ultraschall: Im DRK Krankenhaus Sömmerda

Heilen mit Ultraschall: Im DRK-Krankenhaus Sömmerda werden modernste Geräte zur Tumortherapie eingesetzt

Gespannte Ruhe im OP-Saal. Leise Worte der Beruhigung erreichen Frau K.*: „In zwei Sekunden geht es los. Halten Sie jetzt bitte acht Sekunden die Luft an … Sie machen das großartig, das war der letzte Schuss. Sie haben es geschafft! “ Gerade mal 30 Minuten braucht Dr. Steffen Liebers für 22 „Schüsse“, um den Knoten in der Brust von Frau K. zu zerstören. Auf dem Bildschirm verfolgt er diesen Prozess live, und sogar die Patienten können dabei zuschauen, denn sie sind bei vollem Bewusstsein. Zum Teil ist nicht einmal eine örtliche Betäubung
notwendig. „Es piekst wie Nadelstiche, der Moment ist kurz und schmerzhaft, aber auszuhalten“, so die 38-Jährige nach dem Eingriff . 30 Minuten später verlässt sie nach einem Gespräch und gemeinsamen Kaffee mit dem Chefarzt das Krankenhaus und fährt zur Nachtschicht.
Groß war sicher der Schreck, als der 23 Millimeter große Knoten in der Brust entdeckt wurde. Schnell stand die Befürchtung „Krebs“ im  Raum. Aber Dr. med. Steff en Liebers vom Brustzentrum am DRK-Krankenhaus Sömmerda weiß zu beruhigen: „85 Prozent der Knoten in
der Brust, die Fibroadenome, sind gutartig. Gerade in Drüsengewebe kommen diese recht häufi g vor. Nach einer Ultraschalluntersuchung
und einer Biopsie konnten wir bei Frau K. die Echotherapie anwenden.“ Er fügt ergänzend hinzu: „Prinzipiell muss ein feingeweblich gesicherter gutartiger Knoten der Brust nicht primär behandelt, sondern im Verlauf etwa durch Ultraschall kontrolliert werden. Eine Therapienotwendigkeit entsteht, wenn der Knoten wächst, Beschwerden – zum Beispiel durch Schmerzen – macht oder kosmetisch stört.“
Die neuartige, sogenannte Echotherapie zerstört kleine Schilddrüsenknoten und Fibroadenome der Brust durch Ultraschall- Technologie. Sie nutzt zu diesem Zweck hochintensive, gebündelte Ultraschallwellen, die wie durch eine Lupe auf die erkrankten Zellen gerichtet werden können. Im Brennpunkt entsteht dann eine Temperatur von 85 Grad. Die Folge: Das zerstörte Gewebe schmilzt, und der Körper baut es mit der Zeit ab. Eine Sitzung dauert nur etwa 20 bis 60 Minuten. Durch die millimetergenaue Echtzeitüberwachung mit diagnostischemUltraschall während der Behandlung wird das umliegende Gewebe nicht in Mitleidenschaft gezogen und die Sicherheit
der Therapie in einem hohen Maße gewährleistet. „Bisher rieten wir Ärzte zu einer operativen Entfernung unter Vollnarkose. Die innovative und schonende Technologie der Echotherapie verursacht keine Schnitte, Narben oder anhaltende Beschwerden wie  Wundschmerzen oder operationsbedingte Infektionsrisi-ken“, erläutert Dr. Liebers. Nun kann es nach der Behandlung lediglich zu einer
vorübergehenden Schwellung oder Verhärtung er behandelnden Stelle kommen, die sich in der Regel nach wenigen Tagen wieder  zurückbildet. Nur 29 deutsche Krankenkassen erstatten aktuell die Therapiekosten. Und das ärgert den Chefarzt: „Auf meinem Tisch stapeln sich die Akten, weil Krankenkassen diese anerkannte und nachweislich wirksame Therapie nicht bezahlen wollen. Ein operativer Eingriff kostet fast das Doppelte und ist viel riskanter. Sogar Patienten aus Spanien würden sich gerne in Sömmerda mittels  hochfokussiertem Ultraschall behandeln lassen!“ Tatkräftige Unterstützung erhält Dr. Liebers von Ulrike Bock, Applikationsspezialistin
der Firma Theraclion. Das Medizintechnik-Unternehmen vertreibt diese speziellen Ultraschall-Geräte weltweit. „Derzeit laufen Studien für weitere Anwendungsbereiche. Beispielsweise bei Venenerkrankungen wie Krampfadern. Perspektivisch ist auch der Einsatz bei bösartigen Tumoren geplant“, erläutert sie. Bundesweit wächst das Netz von spezialisierten Echotherapiezentren. So gibt es etwa Angebote in Bremen, Frankfurt, Paderborn, Schkeuditz, Bottrop, Coburg und Tübingen. In Sömmerda finden Thüringer das bisher einzige Therapiezentrum
im Freistaat. Auch das ist ein guter Grund für Dr. Liebers, von Erfurt täglich die Strecke nach Sömmerda zu pendeln. „Vor allem aber schätze ich hier die Arbeit im Team, diese familiäre Atmosphäre und den gemeinsamen Idealismus für unsere Patienten. Kein Patient ist nur eine Nummer oder Diagnose. Sie sollen hier nicht unseren Druck oder Stress spüren“, so Dr. Liebers, er ergänzt: „Auch  stationsübergreifend ist die Zusammenarbeit hier außergewöhnlich gut.“

DRK Krankenhaus

178 Betten
92 Zimmer
281 Vollbeschäftigte

DRK-Krankenhaus
Sömmerda
Bahnhofstraße 36
99610 Sömmerda