Whisky aus Thüringen

Whisky aus Thüringen

Kulinarik - Besser Leben in Thüringen

Wie Whisky aus Thüringen zum Erfolgsmodell wurde.

Von der Schnapsidee zur Whiskymanufaktur.

Die tiefe Stimme lässt erahnen, dass Bernd Ehbrecht ein Faible für Whisky aus Thüringen pflegt. Immerhin weiß er schon seit 25 Jahren den Brand aus Wasser und gemälzter Gerste zu schätzen. Er erinnert sich an das Jahr 1993, als er mit Freunden in den schottischen Highlands einen „Oban 14“ genoss und davon träumte, eines Tages selber zu brennen. 2013 wagte er es. Dem vorausging eine Karriere als Bankkaufmann und Geschäftsführer der Neunspringer Brauerei. Ideale Voraussetzungen dafür, dass aus einer Schnaps- eine Geschäftsidee wird: Whisky aus Thüringen – die „Number Nine Spirituosenmanufaktur“ in Worbis.

Whisky aus Thüringen„Brauer können nun mal mit Gerste umgehen, und Whisky ist lediglich junges Bier. Das meiste Equipment war schon da, uns fehlten lediglich Brennblasen und Fässer. Ich war davon so überzeugt, dass ich privat investierte. Und diese Entscheidung war völlig richtig“, meint der 61-Jährige und ergänzt mit bankkaufmännischer Logik: „Nach der Wende haben wir die Neunspringer Brauerei mit viel Mühe aufgebaut. Bier und Limo waren lediglich zwei Standbeine, es erschien nahe liegend, ein drittes Standbein zu suchen, denn drei Beine stehen sicherer.“

Vor allem aber wollte Ehbrecht beweisen, dass ein guter Whisky nicht zwangsläufig aus Schottland kommen muss. Im Gegenteil. Kontinentales Klimagarantiert einen anderen, kürzeren Reifeprozess, was sich nicht negativ auf den Geschmack auswirkt. Zumal – was ist schon guter Geschmack? Unsere fünf Geschmackssinne werden durch 5000 Geruchswahrnehmungen beeinflusst. Und diese sind auch noch bei allen Menschen ausgesprochen individuell ausgeprägt. Den gleichen Whiskybrand aus drei unterschiedlichen Fässern zu testen, offenbart eine Genusswelt und Geschmacksvielfalt, die schier unbegreiflich ist. Über die Aromen, die immerhin 13 unterschiedliche Fassarten in Worbis hervorzaubern, kann Bernd Ehbrecht unendlich philosophieren: „Ein Whisky aus Sherryfässern überzeugt durch fruchtige Noten, kann aber bei langer Lagerung auch Schwefelnoten bekommen. Durch Umlagern in andere Fässer lassen sich Fehlnoten wieder ausgleichen. Wir arbeiten auch mit Sondereditionen, die in Einzelfässern bis zur Abfüllung reifen.“

Whisky aus ThüringenMit viel Sorgfalt zum Spitzentropfen

Alle drei Monate wird dafür verrochen, ab und an eine Geschmacksprobe genommen und immer wieder neu entschieden, wie die eigenen Sorten „The Nine Springs – Triple Cask“ oder „The Nine Springs Single Malt Whisky – Pineau des Charentes“ weiter reifen sollen. Alles dokumentiert im Fassbuch und mit dem Ziel, die Stärke eines jeden einzelnen Fasses herauszufiltern. Dabei individuell zu bleiben, eine Wiedererkennbarkeit zu schaffen und doch nie alle Spezialabfüllungen gleich schmecken zu lassen– das ist die große Herausforderung. Ganz anders ist die Herangehensweise der weltgrößten Whiskyproduzenten wie Jack Daniel’s, Jim Beam, Jameson und McDowell’s: „Hier werden unzählige, relativ preiswerte Fässer Whisky so lange zusammengekippt, bis das Ergebnis dem Vorherigen gleicht. Zuckercouleur garantiert die immer gleiche Farbe.“

Von Fässern und Reifezeiten

Bernd Ehbrecht erläutert lieber seine Philosophie der Entstehung eines guten Whiskys. Hochwertige Fässer, beste Zutaten und ganz viel Leidenschaft: „Es gibt einen weltweiten Handel für Fässer, bis zu 1500 Euro pro Stück kann man da ausgeben. Für Sherryfässer, in denen 30 Jahre spanischer Sherry reifte, für Madeira-, Marsala- und Muskatelfässer oder deutsche Eichenfässer aus Brandenburg.“ Jedes Fass lockt während der Reife andere Aromen hervor. Und dank der Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten ziehen diese schneller in den Whisky.

Whisky aus ThüringenSo erklärt sich, warum der Whisky aus Thüringen bereits nach drei Jahren Reifezeit die Qualität eines zehn- bis zwölfjährigen Schotten aufweist. Die Schotten waren es übrigens, die einst die Behauptung verbreiteten, dass uralter Whisky besser sei als junger, um Lagerbestände loszuwerden und den Verkauf anzukurbeln. Ehbrecht macht es sich daher auch zur Aufgabe, alte Denkstrukturen aufzubrechen, aufzuklären und mit besten Zutaten zu punkten: „Neun Quellen umgeben unsere Brauerei, daher auch der Name für unser Bier und den Whisky. Zwei dieser Quellen sind ideal für uns – aus diesem weichen Eichsfelder Wasser, Malz aus Franken und etwas Hefe entsteht unser Whisky.“ Dieser lagert so lange unter dem Dach, bis sich zu viele Tannine bilden, die einen Umzug in kühlere Räume vonnöten machen. Dafür ordert Ehbrecht schon mal einen Kran.

Nach gerade einmal fünf Jahren lagern bereits 70 000 Liter Whisky aus Thüringen auf dem Brauereigelände. Wöchentlich kommen 400 Liter aus der Destille dazu. Neben mehreren Single Malt Whiskys finden sich im Sortiment auch vier Rums, zwei Gins, Liköre und Edelbrände. Privatkunden kaufen direkt vor Ort oder online. Restaurants, Hotels und ausgesuchte Spirituosenhändler gehören ebenfalls zur treuen und wachsenden Kundschaft in ganz Deutschland.

Die Ideen gehen Bernd Ehbrecht nicht aus: Künftig sollen einige Fässer sechs Jahre reifen, und in der Burg Scharfenstein entsteht gerade ein Erlebniszentrum mit einer Schaudestille, Führungen und Verkostungen.

 

Worbiser Whiskytipps

In einem bauchigen Glas, das sich nach oben verjüngt, bündelt sich das Aroma eines Single Malt Whisky ideal.

Kälte killt den Geschmack. Single Malt Whisky gehört nicht in den Kühlschrank und schon gar nicht auf Eis. Bei Zimmertemperatur entwickelt er die meisten Aromen.

Whisky genießt man! Langsam! Den ersten Tropfen legt man mittig auf die Zunge und lässt ihn dort ruhen, spürt ihn. Der zweite Tropfen fühlt sich dort danach ganz anders an. Whisky darf nicht im hinteren Teil der Zunge liegen, dort schmeckt man die Bitterstoffe.

Whisky harmoniert wunderbar mit Schokolade. Je torfiger der Whisky, desto dunkler darf die Schokolade sein.

Zu scharfes oder zu fettiges Essen irritiert den Geschmack und sollte vor dem Whiskygenuss vermieden werden.

Whisky lagert am besten kühl, aber nicht kalt. Niemals in der Sonne.

Eine ungeöffnete Flasche ist ohne Geschmacksverlust ewig haltbar. Whisky reift allerdings in einer Flasche nicht nach.

Eine geöffnete Flasche hält sich ein- bis eineinhalb Jahre. Ein Whisky mit weniger als 45 Volumenprozent ist immer kalt gefiltert, damit er bei zu kühler Lagerung nicht ausflockt. Das wirkt sich negativ auf die Aromenfülle aus.

Text: Livia Schilling