Bauhaus-Uhr

Bauhaus-Uhr

Mode und Accesoires - Besser Leben in Thüringen

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum wird das traditionsreiche Uhrenwerk Weimar wiederbelebt.

Präzision aus Tradition.

Bauhaus-UhrEin fast vergessenes Markenzeichen aus Thüringen ist wieder auf dem Markt: der Name der Traditionsfirma Uhrenwerk Weimar. Damit erscheint das Logo des 1950 gegründeten Unternehmens erstmals nach fast drei Jahrzehnten auf neuen Uhren. Das Besondere dabei: Der Neubeginn startet mit einer Kollektion von Armbanduhren, die dem Bauhaus-Jubiläum im nächsten Jahr gewidmet sind. In schlichter Eleganz präsentiert sich das große runde Ziffernblatt. Sofort ins Auge fallen darauf der asymmetrisch angeordnete kleinere Stundenkreis mit den Zahlen 1 bis 12 und der in Großbuchstaben ausgeführte Schriftzug „Henry van de Velde“ auf der Bauhaus-Uhr. Zwar sei der Jugendstilkünstler kein Uhrendesigner gewesen, sagt Geschäftsführer Thomas L. Kemmerich von der neuen GmbH mit dem alten Namen, aber die Bedeutung des Allroundtalents für die 1919 in Weimar gegründete Design-und Kunstschule sei unbestritten.

Innenleben aus der Schweiz

Der Belgier leitete in Weimar seit 1907 die Großherzogliche Kunstgewerbeschule, ein direkter Vorläufer des Staatlichen Bauhauses. Dessen Impulse haben im vorigen Jahrhundert in Kunst, Design und Architektur weltweit neue Akzente gesetzt. In gewisser Weise verdeutliche diese Internationalität auch das wiederbelebte Weimarer Unternehmen, sagt Kemmerich: „Wir sind ein deutsch-belgisches Konsortium. Design und Marketing sind in Weimar angesiedelt, Produktionsstandort ist Antwerpen.“ Dort erhält jede Bauhaus-Uhr ihr Innenleben mit einem Präzisionsuhrwerk aus der Schweiz. Nicht zuletzt deshalb wird die Kollektion durchaus ihren Preis haben. Kemmerich spricht von einem Preis von „um die 300 Euro“: „Wir wollen kein billiges Bauhaus-Souvenir anbieten, das bald unbeachtet irgendwo herumliegt. Wir wünschen uns viel mehr Interessenten, die mit den Marken Bauhaus und Weimar etwas verbinden und ihre Beziehung zum Ort und seiner Atmosphäre auf besondere Weise zum Ausdruck bringen wollen.“

Sorgfältige Recherche

Bauhaus-UhrKemmerich kam mit der Wende aus dem Rheinland nach Thüringen. Als Unternehmensberater privatisierte er damals mehrere Friseurbetriebe und machte daraus ein leistungsstarkes Unternehmen, das er bis heute führt. In Thüringen fühlt sich der 53-jährige Jurist nach eigenem Bekunden mit Familie und Kindern längst fest verwurzelt. Seine politische Heimat fand er in der FDP. Deren Landesverband leitet er seit drei Jahren, im Herbst 2017 wurde er zudem in den Bundestag gewählt. Die Idee mit der Weimarer Traditionsfirma habe sich eher zufällig ergeben: „Irgendwann wurde ich darauf aufmerksam, dass der Firmenname seit 1994 verwaist ist.“ Nach sorgfältiger Recherche kam Kemmerich zum Fazit, dass der einstige Volkseigene Betrieb „eine international angesehene Marke“ ist.

Bis zur Auflösung 1990 war der VEB hinter dem Bahnhof neben dem Weimar-Werk das wichtigste industrielle Standbein der Kulturstadt. Dort entstanden klassische Kaminuhren ebenso wie später allerlei Modisches und Modernes für die Schrankwand. So gehörten gold glänzende Drehpendeluhren unter einer Glasglocke oder folkloristische „Hirtenuhren“ keineswegs nur in ostdeutschen Wohnzimmern zur Wohnkultur der 1970er-Jahre. Küchenuhren aus Weimar schafften es „made in GDR“ sogar ins Sortiment von Ikea, und die Thüringer Schriftstellerin Inge von Wangenheim machte mit ihrem Buch „Die tickende Bratpfanne“ die Wanduhr im kupfernen Pfannen-Design zu einem Stück DDR Literatur.

Doch das alles liegt Jahrzehnte zurück. Nach dem Produktions-Aus hat sich in den Hallen auf dem früheren Firmengelände erfolgreich eine Event-Location für unterschiedlichste Veranstaltungsformen etabliert.

Limitierte Auflage für die Bauhaus-Uhr

Der Name des Uhrenwerks indes soll mit dem Neustart nach dem Willen der Firmeninhaber zum Begriff werden für „eine Verbindung aus Kultur und Kompetenz, die in Weimar erfunden wurde, aber heute auf der ganzen Welt zu Hause ist“. Ein hoher Anspruch, den sie mit der ersten Bauhaus-Uhr erfüllen wollen. Er bezieht sich ausdrücklich auf die Bauhaus-Tradition, zielt zugleich aber deutlich darüber hinaus. Von der Bauhaus-Uhr soll es zunächst etwa 250 Exemplare geben. Auch künftige Kollektionen ihrer Armbanduhren will die Firma besonderen Ereignissen widmen. Zum Beispiel dem Ende der Luftbrücke vor 70 Jahren, mit der die Westalliierten 1948/49 das von den Sowjets eingeschlossene West-Berlin versorgten. Für die Fans eines belgischen Fußballvereins ist eine weitere Serie geplant– mit dem Markenzeichen der Traditionsfirma aus Weimar.

Text: Thomas Bickelhaupt