Im Land der Seen und Wälder

Im Land der Seen und Wälder

Die Erfurterin Frauke Wagner war in Kanada unterwegs – ein Abenteuer-Urlaub in der Natur – von Frauke Wagner

 

Es ist ein unglaubliches Naturschauspiel: Tausende Lachse tummeln sich im Wasser des Stamp River. Dicht an dicht schwimmen sie  flussaufwärts, um zu ihren Laichgründen zurückzukehren. Im gleichnamigen Provincial Park werden wir Zeugen der herbstlichen  Lachswanderung in Kanada und sind sprachlos. Man spürt förmlich die Erschöpfung der Tiere, die schon Tausende von Kilometern hinter sich gebracht haben. Hier in den kleinen Staubecken, die der Fluss bildet, ruhen sie sich kurz aus, um ihre Reise fortzusetzen. Wenige
Meter weiter wurde für die Tiere eine Naturtreppe errichtet, um ihnen den Weg hinauf zu erleichtern. Doch nicht alle haben sie entdeckt.

Immer wieder versuchen sie ihr Glück und setzen zu hohen Sprüngen an, um die Wasserfälle zu überwinden. Wir bleiben dort eine gefühlte Ewigkeit und freuen uns mit, wenn es wieder eine kleine Gruppe geschafft hat. Schon dieses Erlebnis zu Beginn unserer Reise durch Westkanada bestätigt unsere Vorahnung und auch Hoffnung: Dieses Land ist der Inbegriff unberührter Natur, der Einsamkeit und der Abenteuer in der Wildnis. Mit einem Mietwagen erkunden wir drei Wochen lang die wundervolle Welt der Provinzen British Columbia und Alberta. Dabei führt uns unsere Route von der am Pazifik gelegenen Stadt Vancouver hinüber mit der Fähre nach Vancouver Island. Es geht weiter Richtung Norden zu den Rocky Mountains und natürlich durch die bekanntesten Nationalparks Jasper und Banff.

Ein Element begleitet uns die ganze Zeit: Wasser – in allen erdenklichen Formen und Arten. Es gibt der Landschaft Charakter, die Wälder und Berge werden dadurch lebendig. Unzählige Bäche, Flüsse, Wasserfälle und Küstenlandschaft säumen unseren Weg. Es gibt Wasser, so weit das Auge reicht. Insgesamt hat Kanada mehr als zwei Millionen Seen zu bieten. In Relation zur Bevölkerungszahl könnten sich sogar 18 Kanadier einen See teilen. Traumhaft! Es ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass Kanadier extrem entspannte Menschen sind. Ob in den kleinen Motels, Restaurants oder Nationalparks – überall werden wir freundlich begrüßt, bekommen Hilfe angeboten, und es ist immer Zeit für einen kurzen Plausch.

Der Wald hier klingt anders

Wo sich Menschen wohlfühlen, fühlen sich auch zahlreiche andere Lebewesen wohl. Auf Vancouver Island gibt es eine unglaublich hohe Bärendichte. Doch nicht nur wegen der Bären ist die Insel, die auf der Karte so klein erscheint, ein Muss eines jeden Urlaubs. Im Inneren türmen sich schneebedeckte Berge auf, an deren Hängen Regenwälder mit Bäumen im XXLFormat wachsen. An den Küsten wechseln Steilklippen und Sandstrände einander ab. Besonders spannend sind die Wanderungen im Pacifi cRimNationalpark. Lange Sandstrände führen entlang der Pazifi kküste und zahlreiche Trails – vor allem ist der Wild Pacifi c Trail zu empfehlen – durch den mit Moos und Farnen bewachsenen Regenwald. Man sollte sich auf jeden Fall viel Zeit nehmen und lauschen, wie anders der Wald hier klingt. Schöne Unterkünfte – einsam im Wald gelegen – gibt es beispielsweise in Ucluelet, von den Einwohnern auch liebevoll „Ukee“ genannt. Von hier aus starten Touren weit aufs Meer hinaus. Wen man dort beobachten kann? Vor allem Grauund Buckelwale, die während ihrer Wanderungen vor der Westküste von Vancouver Island vorbeiziehen. Dick eingepackt in rote wasserund windfeste Anzüge geht es für uns im Zodiac auch hinaus. Eine Stunde später sind wir erneut sprachlos, als wir die majestätischen Meeresbewohner tatsächlich entdecken. Zwei Buckelwale schwimmen direkt vor uns. Etwa 15 Minuten können wir die Tiere beobachten, bevor die Schwanzfl ossen signalisieren, dass sie nun wieder auf Tauchgang gehen. Mindestens drei Tage sollte man für das schöne Fleckchen Erde einplanen, bevor es mit der Fähre (unbedingt vorher buchen) wieder zurück auf das Festland geht. Gute 1000 Kilometer sind es von Vancouver Island bis zum
JasperNationalpark. Kurvige Bergstraßen schlängeln sich entlang der zerklüfteten Berglandschaft – und wieder vorbei an unzähligen  Bächen, Seen und Wasserfällen. Und wirklich jedes noch so kleine Rinnsal hat tatsächlich einen Namen. Auch die Stopps in den kleineren Provincial Parks lohnen sich.

Schimmernde Gletscher und donnernde Wasserfälle

Doch alles bisher Gesehene wird dann durch den JasperNationalpark getoppt. Er ist der größte der nördlichen kanadischen Nationalparks in den Mountains und bietet Wapitis, Elchen, Dickhornschafen und Bären eine Heimat. Der Icefi elds Parkway – eine der spektakulärsten Straßen der Welt – verbindet den Jaspermit dem Banff Nationalpark und führt hinauf bis auf die 3000erMarke. Die schimmernden  Gletscher dort oben, die kristallklaren Seen und die donnernden Wasserfälle auf dem Weg zeigen, warum der Park Teil des  UnescoWeltkulturerbes ist. Fast jeder See und Wasserfall lässt sich erwandern und bietet von Neuem überwältigende Panoramaansichten, die man nur schwer begreifen kann. Nicht verpassen sollte man auch die heißen Quellen im Park. Hier kann man nach langen Reisetagen schön entspannen. Und so endet der Urlaubstag, wie er begonnen hat: im bestimmenden Element Kanadas – dem Wasser.

 

Kanada:

Das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde liegt in Nordamerika. Es besteht aus zehn Provinzen und drei Territorien. Die Hauptstadt Ottawa befindet sich in der Provinz Ontario. Alberta und British Columbia liegen im Westen des Landes. Rund 70 Prozent Kanadas sind Wildnis- und Naturgebiete. In dem Land, das rund 28 Mal so groß ist wie Deutschland, leben 36,5 Millionen Menschen.