Schiff ahoi auf dem Thüringer Meer

Schiff ahoi auf dem Thüringer Meer

Tourismus und Reisen - Besser Leben in Thüringen

Mit dem Kabinenschiff auf einem Binnengewässer.

Minikreuzfahrt auf Deutschlands größtem Stausee.

Kreuzfahrten boomen. Jahr für Jahr gehen immer mehr Urlauber gern in schwimmenden Hotels auf große Fahrt. Dabei muss es eigentlich nicht unbedingt eine Entdeckungsreise über die Weltmeere sein. Dass dies auch in Thüringen möglich ist, wissen wohl die wenigsten Touristen. Tatsächlich. Schon seit elf Jahren kreuzt das kleinste Kabinenschiff Europas auf einem Thüringer Binnengewässer. Seither unternahmen auf dem Bleilochstausee jährlich zwischen April und Oktober 570 bis 620 Passagiere mit dem Motorschiff „Bad Lobenstein“ eine kleine Kreuzfahrt auf dem Thüringer Meer.

Klein, aber fein und sehr persönlich

MS Bad Lobenstein auf kleiner Fahrt von Saaldorf nach Saalburg.

Los geht es wahlweise montags oder donnerstags in Saaldorf, einem Ortsteil von Bad Lobenstein. Am Ufer warten bereitsacht Passagiere aus Cottbus, Dresden, Plauen, Reichenbach und Schneidenbach. Die „MS Bad Lobenstein“ legt an. „Bootsfrau“ Svitlana Lampe läuft schnell an Land und hilft den Gästen beim Tragen der Koffer. Nachdem die Kabinen verteilt sind und das Gepäck verstaut ist, treffen sich die acht Kreuzfahrer im Salon. Nicht schlecht: Hier ist alles getäfelt. Klaus-Peter Pretzsch, Kapitän und Schiffseigner in Personalunion, begrüßt die fünf Frauen und drei Männer mit einem Gläschen Sekt. Als Schiffsführer hält sich der 57-jährige Remptendorfer freilich ans Sprudelwasser. Sofort ist die zweiköpfige Besatzung mit ihren Passagieren beim an Bord üblichen Du. Allein schon aus Sicherheitsgründen. „Falls wirklich mal jemand über Bordgehen sollte, kann ich ja schlecht fragen: Was haben Sie denn gemacht?! Muss ich Ihnen helfen?!“, flachst Klaus-Peter Pretzsch. Für die Gäste aus der Lausitz, aus Sachsen und dem Vogtland war es ohnehin kein Problem – es ist eine Familie, die sich zu der Kreuzfahrt auf dem Thüringer Meer verabredet hat. Auf eine Rettungsübung kann der Kapitän getrost verzichten. In den Kisten an Deckseien schließlich ausreichend Schwimmwesten vorhanden.

Kapitän mit Freude und Sachkenntnis

„Aber falls ihr mich plötzlich nicht mehrhören und sehen solltet, dann müsst ihr euch schon Sorgen machen“, hat Pretzsch einen seiner kessen Sprüche auf den Lippen. Doch der gebürtige Hallenser ist nicht nur locker drauf, er verfügt auch über einen reichen Erfahrungsschatz.
Bereits als 12-Jähriger habe er die „Lobenstein“ seines Patenonkels mit 180 Fahrgästen an Bord hin und wieder sicher an die Anlegestelle gesteuert. Bevor Klaus-Peter Pretzsch das Binnenschiffer-Patent in der Tasche hatte, war der leidenschaftliche Segler sogar Maschinist auf der „Wilhelm Pieck“, dem Segelschulschiff der Gesellschaft für Sport und Technik (GST). „Aber das hat mir nicht lange gefallen, denn es ging nur rechts herum“, erinnert sich der viermalige Familienvater und schmunzelt. Damit meinten die Fahrensmänner in der DDR, dass es zum Beispiel nur in RichtungRiga, Klaipeda, Tallinn oder Stein ging. Schließlich wollte der Wahlthüringer auch mal raus, wie viele DDR-Seeleuteüber den Grund ihrer Berufswahl sagten. Später war Klaus-Peter Pretzsch einige Jahre Schiffsführer auf der „MS Gera“. Auch zu seinem heutigen Mitwettbewerber hat der Kabinenschiff-Kapitän eine kleine Geschichte parat. „Als das Schiff nach Saalburg kam, hieß es noch ‚Schleiz‘. Doch das hat dem SED-Oberen in Gera gar nicht gefallen. Also musste der Schiffsname geändert werden.“

Gemächlich über den Stausee

Das Kabinenschiff hat abgelegt und Kurs auf Saalburg genommen. Die Gäste lassen es sich auf dem teils überdachten Oberdeck so richtig gut gehen. Svitlana, die gute Seele der Kombüse, serviert kalte, aber auch heiße Getränke. Denn wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet, wird es doch ein wenig frisch. Aber das tut dem Naturgenuss keinen Abbruch. Hin und wieder sehen wir Angler, die auf ihr Fangglück hoffen.
An den Felsen am Ufer zeichnen sich unübersehbar helle Ränder ab. „Wir haben zurzeit einen Wasserstandpegel acht Meter unter dem Normalwert“, erläutert der Kapitän. „Es sollen aber insgesamt zwölf Meter werden.“ Grund dafür seien notwendige Reparaturarbeiten an der Staumauer. Die Verschlussschieber müssen ausgetauscht werden. Eigentlich alle beide. Doch die zweite Instandsetzung soll wohl erst mit der später vorgesehenen Sanierung der Saaldorfer Brücke verbunden werden.

Das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz

Kreuzfahrt auf dem Thüringer MeerDie „MS Thüringer Meer“, Pretzsch’ jüngstes Schiff, nähert sich, wenig später werden zwei kleine Behälter herübergereicht. Das Mittagessen – es gibt Putengeschnetzeltes mit Reis. Zwei Damen gefällt dies nicht. Kein Problem: Ein Anruf des Kapitäns an seine Ehefrau Annette, die auf dem „Thüringer Meer“ für die Gastronomie zuständig ist, genügt. Fisch und Blumenkohl treffen den Geschmack. Beim Grillabend zum Abschluss des ersten Tages am Stammliegeplatz in Kloster lassen es sich dann alle Passagiere wieder so richtig schmecken. Der erste Morgen an Bord. Was für eine himmlische Ruhe. Doch ab 7.30 Uhr beginnt der Motor eines Tankwagens zu tuckern. Klar – mit Wasser läuft auch das kleinste Kabinenschiff nicht. Nach dem Duschen und dem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen fährt unser Kabinenschiff Richtung Staumauer. Der Kapitän hat viel Interessantes über das technische Bauwerk zu berichten. Aber auch zahlreiche Details und Anekdoten. Eigentlich hätte die Tour später noch die Saale aufwärts nach Harra führen sollen. Doch das ist beim derzeitigen Wasserstandselbst mit dem geringen Tiefgang der „Bad Lobenstein“ nicht möglich. So geht es im Kleinbus und mit dem Auto des Kapitäns nach Harra. Dort steht eine Besichtigung der Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert mit ihrem gotischen Altar auf dem Programm. Nicht minder interessant: der Besuch des Harraer Heimatmuseums.

Auch ein Kapitänsdinner fehlt nicht

Wie es sich für eine richtige Fahrgastschifffahrt gehört, gibt es auf der Kreuzfahrt auf dem Thüringer Meer auch ein Kapitänsdinner. Zum Glück ist hier kein feiner Zwirn Pflicht, sondern reichlich Appetit gefragt. Nach der Hochzeitssuppe und der Rinderroulade mit Thüringer Klößen und Rotkraut servieren Annette und Klaus-Peter Pretzsch eine funkensprühende Eisbombe. Passend dazu erklingt die Titelmelodie der „Traumschiff“-Serie des ZDF. Ein wenig Seefahrerromantik liegt im Salon.
Am letzten Tag wird vor allem relaxt. Die Gäste haben die Wanderung zum „Heinrichstein“ abgewählt. Dabei bietet die Aussicht von dem kleinen Felsen eine malerische Aussicht über die Saaleschleife. „Ich mache die Vorschläge, unsere Gäste entscheiden“, zeigt der Kapitän jedoch Verständnis. Dafür fährt die „MS Bad Lobenstein“ doch ein paar Kilometer in Richtung Harra. Später dreht das Kabinenschiff in die Gegenrichtung, nimmt wieder Kurs auf Saaldorf. Am späten Mittag legt das Kabinenschiff am Ausgangspunkt an. Noch rasch ein Loblied ins Gästebuch schreiben und die Getränkerechnung begleichen, dann geht’s sichtlich zufrieden Richtung Heimat.

Die „MS Bad Lobenstein“ wurde 2003 auf einem Pontonuntersatz gebaut und wird seit 2007 für die Kabinenschifffahrt genutzt. Auf einer Länge von 25 Metern und einer Breite von rund 6 Metern findet sich Platz für insgesamt 5 Zweibettkabinen, Sanitäranlagen, Kombüse sowie Sitzplätze im Salon und auf dem Oberdeck. Das Schiff verfügt über eine Zentralheizung. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 15 km/h bei einer Leistung von 240 PS. Der Stammliegeplatz ist in Saalburg. Mehr Informationen unter www.saaletal-schiffe.de